Göteborg mit den Älvsnabben
Wer Göteborg auf die billigste und gleichzeitig ungewöhnlichste Weise besuchen will, kann die Stadt vom Göta Älv aus entdecken und dabei über 400 Jahre Geschichte erleben. Diese geschichtliche Reise dauert insgesamt kaum mehr als zwei bis drei Stunden, kostet weniger als vier Euro und führt vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Auch wenn nur ein Führer die letzten Geheimnisse der Reise entschleiern kann, so bleibt diese Entdeckung auch für alle andere ein unvergessenes Erlebnis.

Für diese Reise von der Vergangenheit bis zum modernen Göteborg benutzt man nur die Straßenbahn oder den Bus nach Klippan und dann die Fähre Älvsnabben. Da man mit zwei Fahrscheinen 180 Minuten Zeit hat und daher an einigen der sechs Haltestellen einen kleinen Ausflug zu Fuß machen kann, entdeckt man bei dieser Tour weitaus mehr als man bei den üblichen Führungen per Bus oder Boot entdecken kann.
Wenn man in Klippan ankommt, im Zentrum des historischen Stadtteils Majorna, so kommt man zum ältesten Teil des heutigen Göteborgs, denn am historischen Bootsmuseum und dem Lager der früheren Ostindien Kompanie, dem heutigen Restaurant Sjömagasinet, war Endstation für alle größeren Schiffe, was erklärt, warum hier Karl IX sein Göteborg erbauen wollte, das jedoch von den Dänen sehr schnell wieder zerstört wurde, warum hier die alten Bierbrauereien und Zuckerraffinerien errichtet wurden, warum hier die ersten Werft angelegt war, eine Fähre die beiden Flussseiten verband und auch, warum hier die erste Festung der Stadt, die Festung Älvsborg entstand. Auch wenn sich während der letzten 500 Jahre hier sehr viel verändert hat, so blieben aus jeder Epoche deutliche Spuren und teilweise auch Bauwerke erhalten, die ihre eigene Geschichte erzählen können.
Wenn man sich dort in Ruhe umgesehen hat und vielleicht selbst die alte Festung erstieg, nimmt man die Älvsnabben von Klippan nach Eriksberg, das auf der Göteborger Insel Hisingen liegt, und sich von einem Industrieviertel zu einem modernen Stadtteil entwickelte. Bereits von der Fähre aus entdeckt man den weltweit bekannten Bockkran, der an die Werften erinnert, die sich dort entlang des Flusses erstreckten. Während der Wintermonate liegt hier der Nachbau der Götheborg vor Anker und das Flussufer hat sich zu einem Kunstwanderweg mit zahlreichen Skulpturen entwickelt.
Die Reise auf den Älvsnabben führt dann weiter nach Slottsberget, ein Name, der noch an das alte Schloss Lindholmen erinnert, von dem aber heute nichts mehr zu sehen ist. Während der kurzen Fahrt zwischen den beiden Haltestellen sieht man vom Boot aus am rechten Ufer erst die Stena-Fähre nach Deutschland liegen und dann den Fischereihafen Göteborgs an dem über 100 Jahre lang die Fischereiboote anlegten und wo sich seit 1910 die Fischauktion befindet, von wo aus Lastwagen den gefangenen Fisch und die Schaltiere nach ganz Schweden transportieren.

Auf dem Weg nach Lindholmen entdeckt man auf der rechten Seite des Göta Älv das Seefahrtmuseum mit der wartenden Seemannsfrau, die Masthuggskyrkan an einer der höchsten Stellen der Stadt um schließlich in Lindholmen mitten im wissenschaftlichen Zentrum der Stadt anzukommen, wo einige der bedeutendsten skandinavischen Firmen und die Universitäten ihre Forschung betreiben.
Auf der Überfahrt zur nächste Anlegestelle Rosenlund, gehen die Älvsnabben erst an den Trockendocks der Werft vorbei um dann unmittelbar neben dem Rosenlundkanal anzulegen, der bei der Gründung der heutigen Stadt die Grenze zur Innenstadt kennzeichnete. Hier lädt ein kleiner Bummel dazu ein, die Fischkirche zu erkunden und vielleicht auch einen kleinen Spaziergang über den Järntorget zurück zur Anlegestelle zu machen. Der Järntorget erinnert mit all seinen Skulpturen und dem Folkets Hus an sämtliche Arbeiterbewegungen der Stadt und ist bis heute ein Symbol des Widerstands gegen Adel, Ausbeutung und die Politik der Unterdrückung.
Von Rosenlund aus geht es dann zur letzten Anlegestelle, Lilla Bommen. Auf der rechten Seite taucht zuerst ein Parkboot auf, das einzige seiner Art in ganz Europa, anschließend das Pier Skeppsbron und das alte Zollgebäude auf, von wo aus über eine Million Schweden nach Amerika auswanderten, später die Boote zu den Schären ablegten und heute Ausflugsboote vor Anker liegen. Nun geht die Reise noch am Erlebniszentrum Maritiman mit seiner Bootsammlung vorbei, um dann bei der Oper, der Barken Viking und dem Hochhaus Läppstiftet anzulegen.
Von Lilla Bommen aus nimmt man dann die Straße, die einen früheren Kanal ersetzte, um zum Gustav Adolf Torg, Brunnsparken und auch den Kronhusbodarna zu kommen und in das pulsierende Leben Göteborgs zurückzufinden, das im Kronhuset, dem ältesten Gebäude des heutigen Göteborgs, Richtung Zentrum und Paradestraße Avenyn führt.